Bereits seit 2010 setzt sich eine Gruppe von Ordensfrauen gegen Frauenhandel ein. Im Herbst 2012 hat sich, ausgehend von der internationalen Bewegung SOLWODI, ein eigenständiger Österreichischer Verein gegründet, der sich besonders für Frauen engagiert, die Opfer von Menschenhandel, sexueller Gewalt und Ausbeutung geworden sind. Die Arbeit von SOLWODI orientiert sich am christlichen Menschenbild, welches die Würde und Freiheit des Menschen als Grundlage eines erfüllten Lebens sieht.

„Unser Beratungsansatz ist klientinnen-
und ressourcenorientiert.

Das Ziel ist Hilfe zur Selbsthilfe
und Eigenständigkeit der Frauen.“

Der Einsatz gilt besonders Frauen / Migrantinnen, die Opfer von Menschenhandel, sexueller Gewalt und Ausbeutung geworden sind. Durch kurzfristige Kriseninterventionen, mittel- oder langfristige Beratungsprozesse erhalten die Frauen Hilfe zur psychischen Stabilisierung, Stärkung des Selbstwertgefühls sowie Unterstützung bei der Entwicklung neuer Lebensperspektiven und selbstbestimmter Entscheidungen.

 

Hintergrund: Österreich ist Transit- und Zielland für Prostitution

Sr. Patricia Erber von den Salvatorianerinnen und Vorsitzende des Vereins SOLWODI Österreich mit Sitz in Wien zu ihrer Motivation: „Je mehr ich in Kontakt gekommen bin mit Frauen, die in die Prostitution gezwungen wurden, umso betroffener war ich und umso unverständlicher war es für mich, wie hier mit Frauen umgegangen wird, die bereits in ihren Herkunftsfamilien und –ländern wenige Chancen hatten und Gewalt erfahren haben. Es sind hier viele Formen und Facetten von Zwängen und Abhängigkeiten, die die Frauen letztendlich „gefangen halten“ und es ihnen schwer machen auszubrechen. Als Ordensfrauen sind wir aufgerufen, hinzuschauen und nicht wegzuschauen, wo Menschen und hier konkret Frauen und Mädchen ausgebeutet werden, Gewalt erfahren und in einer Art „Gefangenschaft“ gehalten werden – und das mitten unter uns – vielleicht auch in unserer Nachbarschaft.“ Durch extreme Armut und Notsituationen, falsche Versprechungen und der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen Frauen ihre Heimatländer. Mithilfe finanzieller Abhängigkeit, Ausnutzung ihrer Hilflosigkeit, Androhung und Ausübung von psychischer und physischer Gewalt werden Frauen in ausbeuterische Beziehungen, Arbeitsverhältnisse oder in die Prostitution gezwungen und so ihrer Rechte und Würde beraubt. Frauenhandel ist eine Verletzung der Menschenrechte. Erber weiß: „Österreich ist Transit- und Zielland zugleich. Tausende Frauen – vor allem Ausländerinnen – werden nach Österreich gebracht um in der Prostitution zu arbeiten und sind vielfach Opfer von Menschenhandel. Die Identifizierung der Opfer ist schwierig und noch mehr die strafrechtliche Verfolgung der Täter.“ SOLWODI Österreich ist eine gemeinsame Initiative von sechs Frauenorden in Österreich und wird zum größten Teil von den Frauenorden in Österreich finanziert sowie von einzelnen PrivatspenderInnen unterstützt. „

Angebote: Schutzwohnungen und Beratungsstellen in Wien und Innsbruck

Für die konkrete Unterstützung der Frauen wird die Vernetzung und Zusammenarbeit mit allen Beratungseinrichtungen und Hilfsorganisationen, die für Prostituierte, Frauen und Migrantinnen tätig sind, aber auch mit Behörden und Institutionen des öffentlichen Lebens angestrebt. Frauen – auch mit Kindern -, die akut bedroht oder Opfer von Gewalt und Ausbeutung sind, können Aufnahme in einer anonymen Schutzwohnung finden. Die Schutzwohnung bietet Unterkunft für ca. fünf Frauen, in der sie zur Ruhe kommen und Hilfe bei der Bewältigung und Normalisierung des Lebensalltages und Entwicklung von neuen, realistischen Lebensperspektiven erhalten. Die Adresse wird aus verständlichen Gründen geheim gehalten. Nicht geheim sind die Adressen der Beratungsstellen in der Seuttergasse in Wien und in der Maximilianstraße in Innsbruck. Für Erstkontakte und Nachsorge der ehemaligen Bewohnerinnen sind diese kleinen Beratungsstellen wichtig. Das Beratungsangebot ist anonym und kostenlos.

 

Folgende Ordensgemeinschaften haben sich durch die gemeinsame Gründung eines eigenständigen Vereines SOLWODI Österreich mit dem internationalen Wirken von SOLWODI verbunden:

  • Caritas Socialis Schwesterngemeinschaft
  • Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Heiland, Salvatorianerinnen
  • Congregatio Jesu
  • Institut der Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens
  • Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Wien-Gumpendorf
  • Missionskongregation der Dienerinnen des Heiligen Geistes

Die Arbeit von Solwodi Österreich wird von der Vereinigung der österreichischen Frauenorden, Ordensgemeinschaften und privaten Spendern finanziert.

Weitere Informationen:
Wenn Sie sich für den aktuellen Jahresbericht von SOLWODI Österreich interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt auf mit: www.solwodi.at